Dienstag, 30. Januar 2007

Die Urzeln kommen!


So meine (stillen) Leser, hier folgt mein neuestes und wahrscheinlich letztes Abenteuer als Erasmus-Studentin in Rumänien. Und dies ereignete sich wie folgt:



Samstag fuhr ich mit Johanna, meiner Zimmernachbarin, nach Sibiu/Hermannstadt, um zu erkunden, was denn die diesjährige europäische Kulturhauptstadt zu bieten hat. Nach einem kleinen Rundgang durch die wundervoll restaurierte Altstadt, wollten wir einen Umzug beobachten, der dort stattfinden sollte. Sehr bald machte sich dann die Gesellschaft auch durch Knallen, Glockengeläut und närrisches Rufen bemerkbar. Da Johanna und ich die Gepflogenheiten der sog. Urzel, die uns da entgegenkamen, nicht kannten, hielten
wir uns doch sehr nahe am Zentrum des Geschehens auf.


Das sollte uns zum Verhängnis werden, denn schon näherte sich uns ein Urzel gefährlich peitschenknallend, fing Johanna mit der im Handumdrehen zum Lasso umfunktionierten Peitsche ein und wollte sie mitziehen. Doch Johanna ließ sich das nicht gefallen und konnte sich aus den Fängen der schwarzen Gestalt befreien. Nun wähnten wir uns in Sicherheit, nachdem die Urzel unseren Widerstand gespürt hatten, aber es war ein trügerisches Gefühl, denn schon rückten neue Urzel nach. Eh ich mich versah, hatte mich eine Peitsche umschlungen, eine zweite kam in sekundenschnelle hinzu und ich wurde von zwei Urzeln im Kreis herumgewirbelt bis ich atemringend um Gande bat. Sogleich ließen die beiden Wesen von mir ab und ich konnte erleichtert nach Luft schnappen.
Lange währte diese Verschnaufpause allerdings nicht, denn den beiden Urzeln folgte die eifrige Reporterin des Lokalfernsehens auf den Fuß, die von mir wissen wollte, wie ich mich denn fühlte, jetzt, da ich eben "getanzt" worden war. Immer noch außer Atem konnte ich nur stammeln, dass es ein atemraubendes aber doch schönes Erlebnis gewesen war. Dann kehrte endlich Ruhe um uns beide herum ein, denn sowohl die Urzel, als auch die Zuschauer versammelten sich um einer Rede zu lauschen. Wir erfuhren, dass die Urzel alljährlich Anfang Februar in einer siebenbürgischen Kleinstadt ihrer Vorfahren gedachten, die vor hunderten von Jahren in eben solcher Verkleidung böse Geister oder auch eroberungswütige Türken vertrieben hatten. Welche der beiden Versionen stimmt steht nicht fest. Auch wurde erklärt, dass es eine besondere Ehre war, wenn man von den Urzeln eingefangen und zum Tanzen/Herumwirbeln "aufgefordert" wurde ;-)

Nachdem wir die Begegnung mit den peitschenknallenden, kuhglockenläutenden und krapfen/pfannkuchenverteilenden Urzeln heil überstanden hatten, machten wir uns auch wieder auf den Heimweg, denn es hatte angefangen zu schneien und die klirrende Kälte drang uns bis in die Knochen.

Nun steht mir hier noch eine Klausur bevor (am Sonntag), Dienstag verlasse ich dann Cluj und fahre nach Medias, zu meinen Verwandten dort. Samstag kehre ich dann nach Schweinfurt zurück, wo mich ein Praktikum bei der Integrationsbeauftragten der Stadt erwartet.

Bis zum Abschiedspost wünsche ich euch eine wunderschöne Woche!


(Bild: www.narrentreff.de)


Donnerstag, 11. Januar 2007

Bin wieder da!

Hmm...das war echt eine lange Pause, die ich mir da geleistet habe. In der Zwischenzeit sind so viele Dinge passiert, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Aber Vieles muss ich gar nicht erzählen, weil ihr entweder dabei wart (zumindest ein Teil von euch), oder aber schon davon gehört habt. Und weil das eigentlich ein Rumänien-Blog ist (denke nicht, dass ich ihn nach meiner Zeit hier fortführen werde), fallen die Sachen, die in Deutschland passiert sind, eh raus. Und so habe ich es geschafft, aus der Menge an verfügbarem Material das herauszufiltern, was ich euch nun kurz berichten werde :).

Zunächst ein paar Worte zu meiner Rückreise nach Rumänien. Die verlief nämlich nicht so ruhig und angenehm wie die Reise nach Deutschland. Auf der hatte ich übrigens das Vergnügen, neben einem äußerst netten Amerikaner zu sitzen, der fast perfekt deutsch sprechen konnte, Christ war und sich gerade mit so ziemlich den selben Sachen plagte wie ich. Was für ein "Zufall"...
Nun aber wirklich zur Rückreise, die eher eine Ansammlung von Pannen war, als sonst was. Mitten in Österreich ließ uns nämlich einer der zwei Generatoren des Busses im Stich. Dies ist normalerweise kein Problem, und nachdem der Fahrer alle Geräte, die unnötig Strom verbrauchen (Radio, Fersehen usw.) ausgeschaltet hatte, konnten wir weiterfahren. Bis Ungarn, wo sich auch der zweite Generator verabschiedete. Nun fuhren wir nur noch über Batterie gespeist, was eine Höchstgeschwindigkeit von 32 km/h erlaubte. Kurz vor der rumänischen Grenze ließ sich der Bus dann nicht mehr starten. Die letzten km hatten wir sowieso nur noch geschafft, weil uns vorher ein netter LKW-Fahrer Strom geschenkt hatte. Tja, dann mussten wir einige Zeit warten bis ein Bus von einem anderen Reiseunternehmen gemietet und zu uns geschickt wurde und als endlich alle Passagiere (47 an der Zahl) und das gesamte Gepäck (die meisten hatten 2-3 Taschen dabei, manche brachten es bis auf 7!) umgeladen waren, hatten wir schon einige Stunden Verspätung. Und wir fuhren weiter bis ich froh und glücklich in Mediasch ankam...
Nein, stimmt nicht ganz. Mitten in Rumänien fing der neue Bus, in den wir umgestiegen waren, plötzlich an zu rauchen. Der Fahrer bremste scharf, fuhr an den Rand und es folgten etwa 2 Stunden Reparaturen. Dieses Mal saß aber ein gelernter Mechaniker mit im Bus und daher klappte das auch ziemlich gut und ich kam schließlich mit nur 6-7 Stunden Verspätung nach einer 30stündigen Fahrt in Mediasch an. Da ich alle Züge nach Cluj verpasst hatte, konnte ich erst Montag dahin fahren und kam daher auch (leider) ;) nicht in den Genuss meines Montagskurses.

Und seitdem sollte ich eigentlich im Dauerstress sein und den ganzen Tag von Panikattacken heimgesucht werden, denn ich stehe vor einem Mount Everest an Arbeit. Tja, wie heisst es so schön: aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Wahrheit dieses weisen Spruches bekomme ich gerade am eigenen Leib zu spüren. Denn wer Sachen immer aufschiebt, statt sie schön in Ruhe zu erledigen, muss dann alles innerhalb von 3 Wochen bewältigen. Aber ich wäre ja nicht Ines, würde ich nicht schon wieder alles in letzter Minute erledigen müssen. Das wiederum ist keine Entschuldigung, werden einige von euch vielleicht sagen, und ich werde ihnen Recht geben müssen. Denn eigentlich ist ein "Ich bin nun mal so" wirklich keine Entschuldigung. Ich arbeite ja schon dran, aber schlechte Gewohnheiten sind manchmal extrem hartnäckig...
Komischerweise habe ich aber keine Lust auf Stress und Panik - was mir vielleicht zum Verhängnis werden wird, aber darauf lass ichs mal ankommen. Und daher gehe ich erstaunlich entspannt an die ganze Sache ran und arbeite einfach alles der Reihe nach ab. 3 Wochen Dauereinsatz und dann ist alles vorbei :).

Was gibt es sonst noch zu sagen? Eigentlich nicht viel.

Ach, kennt ihr das wunderbare Gefühl das sich einstellt, wen man eine Sache beendet hat? Wenn z.B., wie in meinem Fall, ein Essay fertig geschrieben ist, für das man sich 2 Tage lang gequält hat? Kennt ihr auch dieses wunderbare Gefühl der Erleichterung?
Und kennt ihr das Gefühl der Freiheit, der Ruhe und des Friedens, wenn ihr euch - auch nur für einen kurzen Moment, denn zu viel mehr ist unser unbeständiges menschliches Herz nicht fähig - dessen bewusst seid, dass all eure Sorgen und Ängste von Jemand gekannt und getragen werden? Das ist noch herrlicher als das erste Gefühl von dem ich gesprochen habe. Die Gewissheit, dass man sich um nichts sorgen muss, ist unbezahlbar. An dieser Stelle verweise ich die, die's noch nicht gelesen haben, an Markus letzten Post (vom 11.01) auf dem Kje-Travel-Board (http://kje-travel-board.blogspot.com/). Auch so ein "Zufall", dass er genau darüber schreibt...

Und damit entlasse ich euch in ein hoffentlich wunderschönes Wochenende.

Bis demnächst.